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Kunstraum West

Der „Kunstraum West“ ist ein kleiner aber feiner Kunstraum in Berns Westen und sichert den kulturellen Anschluss an die etablierten Kunsthäuser in Berns Stadtmitte. Der „Kunstraum West“ fördert den kulturellen Austausch der unterschiedlichsten Berner Bevölkerungsgruppen und ist eine kritische Stellungnahme zur kulturellen Berner Stadtentwicklung. Diese gilt es ganzheitlicher zu betrachten und mit unterschiedlichsten und ergänzenden Angeboten anzureichern. 

Der „Kunstraum West“ ist ein eingeschossiges, nicht unterkellertes

Kunstgebäude mit rund 116m2 Ausstellungsfläche, allseitig aus schwarz

eingefärbtem Dämmbeton. Wesentliche architektonische Absicht

des Gebäudeentwurfes besteht in erster Linie darin, ein gutes Gebäude für den Ort und seine unmittelbare Umgebung zu schaffen. So erinnert der Entwurf auf den ersten Blick an die historisch wertvollen Nebengebäude früherer Herrschaftshäuser, wie sie vereinzelt, oft an Grünanlagen platziert, in der Zentrumsregion von Bümpliz zu finden sind.

Durch lediglich zwei konzeptionelle Massnahmen wird das Gebäude auf

die Ebene der Andersartigkeit gehoben und erfährt dadurch eine positive

Irritation, welche es als Gebäude mit besonderer Nutzung auszeichnet, ohne als monumentaler Museumsbau mit ikonographischem Anspruch zu wirken.

 

Wegschneiden

Die strassenseitige Südfassade des Kunstgebäudes wird parallel zur

Strassenkante angeschnitten und übernimmt dadurch seine wesentliche

städtebauliche Ausrichtung. Durch diesen scharfen Anschnitt wirkt das Volumen geometrisch verzogen und wird je nach Betrachtungsstandort unterschiedlich wahrgenommen.

 

Hinzufügen

Eine ganzflächig gebäudedurchdringende Wandscheibe trennt das Innere in

zwei Teilbereiche und verfremdet die vertraute Gebäudegeometrie. Durch diese simple Anwendung verliert das Gebäude unmittelbar die Wiedererkennbarkeit und die DNA eines regulären Gebäudes.

 

Die ganzheitliche Materialanwendung des schwarz eingefärbten Betons für

sämtliche Gebäudebestandteile der Fassade, lässt das Projekt als homogener Gebäudeguss in Erscheinung treten. Die unmittelbare Nähe zur Friedhofsanlage bedeutet für den architektonischen Entwurf, dass ein nicht sakral anmutendes Gebäude entstehen soll. Deshalb ist die gewählte, formelle Anlehung an eine historische Nebengebäude umso wichtiger.

Ideenwettbewerb, Bern 2018

Fotografie: Gordon Matta-Clark – Splitting, 1974, Englewood, New Jersey

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